Zum Schachspielen ging`s nach Prag

ABLE REACH PRAHA 2006

Ein Bericht der Stephen-Hawking-Schule Neckargemünd über einen Schachaufenthalt in Prag

Stefan Memmel von der Stephen-Hawking-Schule Neckargemünd schwärmt: "Wir hatten eine supertolle Woche in Prag!"

Stefan besucht derzeit in der Stephen-Hawking-Schule die Klasse 7 des Integrationsgymnasiums und fasst mit seinem Resümee für uns nochmals die Eindrücke der letzten Tage zusammen: Mit seinen teilweise ebenfalls körperlich eingeschränkten und auch nicht behinderten Mitschülern Pascal Klaiber, Dominik Fontius, Simon Sauer und Christian Staub sowie den zwei Gästen Benjamin Britsch und Dominik Reinhart, war er in der letzten Woche vor den Herbstferien in der tschechischen Metropole Prag.

Dort beteiligten sich alle sieben an einem umfangreichen internationalen Begegnungsprogramm für Behinderte und Nichtbehinderte. Dazu gehörte außer einem dreitägigen Schachturnier im Rahmen von "Euro Chess" ein Kulturprogramm mit Sehenswürdigkeiten der Stadt, Workshops und sportlichen Aktivitäten. Teilnehmende Nationen waren neben den gastgebenden Tschechen und den Deutschen auch Schüler und Azubis aus Holland, Polen und der Slowakei.

Wie war es zu dieser Gelegenheit gekommen? Persönliche Kontakte und das Engagement von Lehrkräften der Stephen-Hawking-Schule ermöglichten den mitgereisten Schüler unvergessliche Erlebnisse. So waren schon vor mehreren Jahren erste Kontakte mit Kollegen aus den Niederlanden - anlässlich der Aufnahme der Schule in den UNESCO-Schulverbund - durch Herrn Wilm und Herrn Müller, beide Leiter und Berater einer Schach-AG in der Stephen-Hawking-Schule, geknüpft worden. Informationen und Adressen waren ausgetauscht worden, die erste Einladung zum "International Chess Tournament" war für 2003 erfolgt und so konnte eine Gruppe der Stephen-Hawking-Schule aus Neckargemünd nun schon zum vierten Mal dabei sein.

Samstag früh morgens ging`s also mit den beiden begleitenden Lehrern Herrn Kalienke und Herrn Müller im Kleinbus Richtung Osten los, zwei an der Fahrtstrecke wohnende Schüler erhielten Abhol-Service. Nach der Mittagspause bei einer weltbekannten Fastfood-Kette unweit von Nürnberg, wo der letzte Schüler eingesammelt wurde, erreichten sie schließlich abends das den Betreuern schon wohlbekannte Jugendwohnheim des Jedlicka-Instituts im Stadtteil Nusle, wo sie wohnen und wo auch die Schachspiele in einer Sporthalle ausgetragen werden sollten.

Seit der ersten Pragfahrt 2003 hatten die Neckargemünder immer im Holiday Inn gewohnt und Benjamin, der schon zum vierten Mal dabei war, schwärmte noch in den letzten Minuten vor der Ankunft von dem gigantischen Frühstücksbuffet. Umso größer war die Überraschung: Der Kleinbus durfte vor dem Wohnheim parken und wir das Gepäck ausladen. Der Grund für diese unerwartete Änderung: Die Hotelkette ist zwar einer der Sponsoren des Projekts, war aber zurzeit so voll belegt, dass es für uns keinen Platz mehr gab. Die Drei-Bett-Wohnheim-Zimmer waren aber geräumig, ganz nah beieinander und damit für abendliche Lagerbildung hervorragend geeignet. Einzig das Hotelfrühstück vermissten wir etwas --sehr--.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Ales Chytka, den Leiter der veranstaltenden gemeinnützigen humanitären Organisation PROTEBE (deutsch: "Für Dich"), wurde von Sonntag bis Dienstag in drei verschiedenen Altersgruppen Schach gespielt. Hierbei zeigte sich, dass besonders die polnischen und tschechischen Teilnehmer sehr versiert mit den Figuren auf dem karierten Feld umzugehen wussten.

Die SHS-ler schlugen sich tapfer im oberen Mittelfeld und erreichten in der internationalen Gesamtgruppenwertung immerhin einen vorzeigbaren 3. Platz von vierzehn.

Noch besser lief es in der Einzelwertung der Altersgruppen: Hier landete der ehemalige Schüler der Stephen-Hawking-Schule und seit kurzem BWL-Student Benjamin Britsch sehr erfolgreich Sieg um Sieg und musste sich in neun Spielen nur einmal mit einem Remis begnügen.

Auf diese Weise erkämpfte er sich den Gesamtsieg seiner Gruppe: Platz 1!

Das Turnier endete am Dienstagabend mit der Preisverleihung und einer ersten Abschiedsparty, wobei allerlei lustige und kreative Wettkampf-Spiele ausgetragen wurden.

Am Ende sahnte die Neckargemünder Truppe mit der höchsten Punktzahl den ersten Preis, eine leckere Torte, ab und die beiden Lehrer Herr Müller und Herr Kalienke erhielten den ersten Preis für die beste pantomimische Darstellung zum Thema "Der Taucher jagt den Kraken.
Mit viel Spaß, Gelächter und geselligen Gesprächen klang damit der erste Teil der Veranstaltung aus.

Neben dem Schachspielen gab es natürlich weitere Veranstaltungen. Schon am Sonntagabend hatten die Teilnehmer beim Meeting mit einer tschechischen EU-Abgeordneten ihre Kenntnisse der EU-Organisation zum Besten gegeben.

Am Montag hatte war ein weiteres Kultur-Highlight angesagt: Krizikova Fontanas, eine Wasserorgel-Anlage, die zu den Tönen der Filmmusik von Gladiator ihre farbigen Fontänen in den Nachthimmel schoss. Ein toller Tagesausklang im "Rausch der Sinne (mit Glühwein gegen die nächtliche Kühle).
Am Dienstag konnte sich z.B. Simon zur Entspannung vom anstrengenden Schach eine Führung durch den nahe gelegenen Vysehrad geben, eine alte Festung am Rand von Prag, von der aus man neben dem Blick auf die hier sehr breite Moldau eine wunderbare Aussicht über die Dächer und Türme der Altstadt genießen kann. Auf dem dort angelegten Friedhof ruhen z. B. so berühmte tschechische Komponisten wie Dvorak und Smetana.

Am Mittwoch mussten viele der tschechischen Teilnehmer bereits in ihren schulischen Alltag zurück- kehren. Für die verbleibenden Besucher begann nun das eigentliche Kulturprogramm.

An diesem Tag war zunächst der Prager Zoo an der Reihe. Dafür war in akribischer Kleinarbeit eine Rallye ausgearbeitet worden, im Verlaufe derer wir allerlei Wissenswertes zum Zoo-Getier herausfinden mussten. Überdies ist dieser Prager Zoo wunderschön gelegen und man genießt nach einer Gondelfahrt auf einen über ihm gelegenen Berg eine grandiose Aussicht auf den Hradschin, das Regierungs-Prunk-Gebäude. Die anschließende "free time" nutzten wir zum Nichts-Tun bzw. Spazieren-Gehen auf der Burg Vysehrad, neben der wir untergebracht waren.

Hatte im Jahr zuvor der begleitende Lehrer Frank Müller im Rahmen des abendlichen "Cultural Program" einen Klavierabend gegeben, bei dem er Stücke von Komponisten der teilnehmenden Länder gespielt hatte (unter dem Titel "Europeano-Recital"), so hatte der Veranstalter sich für dieses Jahr einen ganz besonderen Leckerbissen ausgedacht.

Er hatte den Gitarristen Stepan Rak eingeladen, der ein umjubeltes Gitarren-Recital gab, bei der all seine Kunst in atemberaubender Weise vielfältig zeigen konnte. Ein absolutes Highlight und unvergessliches Erlebnis!!

Das gesamte Programm ließ übrigens über die Woche hinweg immer wieder Zeit für private Ausflüge in die Altstadt, wo ein Teil des alten Prag mit Kulturbauten wie Rathaus, imposanten Kirchen, Hradschin und Regierungssitz beim Stadtrundgang zu besichtigen waren; so wurde z. B. die Moldau auf der berühmten Karluv Most (Karlsbrücke) gequert, es ging durch den niedriger gelegenen Altstadtteil über den Vatzlavsky Pane (Wenzelsplatz) zur U-Bahnstation, deren Behindertenzugänge für Uneingeweihte übrigens äußerst schwierig zu finden sind

Während am Donnerstag ein freier Vormittag zum Gang nach Prag einlud, bot der Nachmittag Kreatives. In parallel veranstalteten workshops wurden Stonepainting, Backen, Partydancing, Geschenke, Servietten- Bedrucken, Bändchen Flechten angeboten, alles Mögliche, das man am Ende auch mitnehmen konnte, um seine Lieben zuhause zu beschenken. Damit nicht genug: Am frühen Abend fand dann auf dem dortigen Sportgelände eine sehr interessante Vorführung im mittelalterlichen Fechten in originalen Ritter-Waffen und -rüstungen statt.

Ein weiteres Highlight folgte abends: Eine "Country-Evening-Party", eine Tanz-Vorführung, bei der wir mitmachen konnten. Eine faszinierende Übung bestand darin, im Kreis stehend zu immer schneller werdender rhythmischer Begleitung dem Vordermann den Hut abzunehmen und dem Hintermann aufzusetzen - eine veritable Übung zu Hand-Auge/Auge-Ohr/Ohr-Hand-Koordination.

Für uns, die wir diesmal einen Tag vor dem offiziellen Veranstaltungsende abreisten, gab es noch eine Mini-Abschiedsparty mit Schnittchen, Lob, Preis und Geschenke Verteilen.
Wie schon über die gesamte Woche wurden die bisher entstandenen Kontakte besonders unter den Betreuern beim gemütlichen Ausklang der Veranstaltung weiter vertieft. Man schmiedete Pläne für die zukünftige Durchführung dieser internationalen "Able-Veranstaltung", die möglichst jährlich stattfinden sollte.

Reinhard Kalienke, Frank Müller

Dieser Bericht wurde freundlicher Weise von Frank Müller, Stephen-Hawking-Schule, per E-Mail zur Verfügung gestellt. Zum Original-Bericht, Seite 22 - 25